Yvess Lieblingsbuch hieß „On the Road“. Er hat mir damals in Südfrankreich immer draus vorgelesen. Es ging ums Unterwegssein als Lebensgefühl. Die Typen in dem Buch wollten auch nie ankommen. Denn das hieß eingeengt leben in einem Gefängnis aus Pflichten und Erwartungen. In Jobs, die man hasst, damit man Geld verdient für Dinge, die man nicht braucht.

Und deshalb leg ich mich jetzt auf diese Strohballen. Bin vom Skatboard gesprungen, weil da vorne irgendwo die nächste Ortschaft kommt. Vielleicht will ich da gar nicht hin. Was passiert dann? Ich muss versuchen, Ferdi oder Paps zu erreichen und dann geht alles wieder von vorne los.

 

Gibt es überhaupt noch Telefonzellen?

Was, wenn ich einfach hier liegen bleibe? Wäre das nicht das beste? Oder gar nicht zurückgehe? Einfach irgendwo neu anfange. Niemandem sage, wo ich bin. Einfach alleine, auch ohne Yves, immer der blöde Yves, als ob der die einzige Alternative wäre, die einzige Möglichkeit, glücklich zu werden.

Ich brauche nichts. Kein Hunger, kein Durst. Kopfweh ist auch fast weg. Es ist warm. Die Vögel singen. Sonne scheint. Perfekt. Ein perfekter Moment. Wann liegt man schon je einmal einfach so da. Kein Handy, kein Whatsapp, kein Quizduell, kein schnell irgendwas bei Amazon bestellen oder jemandem ein Foto schicken aus dem Café, in dem man gerade sitzt. Einfach mal – gar nichts tun. Atmen. Sein.

Gut eine Dusche wäre schön.

Naja, und mein Handy hätte ich schon gerne. Ich will nicht, dass sich alle so schreckliche Sorgen machen.

Und den Chicas kurz ein Bild von mir im Brautkleid auf diesen Strohballen schicken, das wäre ein Hallo!

Und Ferdi kurz um Verzeihung bitten. Und neues Makeup, ich sehe sicher furchtbar aus. Von den Haaren ganz zu schweigen.

Und ein schöne Latte Macchiato. Koffeinfrei mit Sojamilch, natürlich.

Und danach ein Glas Prosecco, während ich den Girls meine Geschichte erzähle.

Also los, Charlotte, auf geht´s. Was liegst du hier rum, als hättest du nichts zu tun. Weiter. Immer weiter.